Adrian Nothnagle

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Location
Berlin,
Birthday
December 31
Bio
"Then you will know the truth, and the truth will set you free." -John 8:32

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DECEMBER 14, 2010 6:52AM

Ueber Benefizkonzerte

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Jedes jahr, wenn sich irgendwo auf der Welt eine verheerende Naturkatastrophe oder ein Terroranschlag ereignet, vereinigen sich viele bekannte Gesichter der Musik- und Filmbranche und geben ein Benefizkonzert oder nehmen eine Single auf, deren Einspielergebnisse den beduerftigen in den betroffenen Gebieten zu Gute kommen sollen. Davon abgesehen reisen die "Hollywooddiva" Angelina Jolie und "die Koenigen des Pops" regelmaessig in SOS-Kinderdoerfer, wo sie sich mit erfurchtsvoll dreinblickenden Kindern auf dem Arb ablichten lassen. (Wer von den Beiden eigentlich gerade dem Hungertod von der Schippe gesprungen sind, ist mittlerweile kaum noch festzustellen.)

Mir sind diese Aktionen schon seit Langem ein Dorn im Auge, unzwar nicht, weil ich von Hilfsbereitschaft und Altruismus nichts halte, im Gegenteil, sondern weil mir die Art und Weise zuwider ist, wie diese Ereignisse in der Klatschpresse rezeptiert werden. Dort werden die an den Benefizkonzerten beteiligten Prominenten in den aller hoechsten Toenen gelobt, mitunter gar zu modernen Heiligen erklaert. Daher konstatiere ich, dass sich in unserer Gesellschaft offensichtlich ein bedenklich entwertetes Verstaendnis des Begriffs "Heldentum" eingebuergert zu haben scheint.

Ich denke man wird mir nicht wiedersprechen koennen, wenn ich sage, dass ein Held eigentlich nur derjenige sein kann, der bei seinem Unterfangen an seine seelischen und/oder physischen Grezen stoesst, aber trotzdem nicht kapituliert. Denken Sie an Otto Wels, der 1933 als einziger eine erbitterte Rede gegen die gerade an die Macht gekommenen Nationalsozialisten hielt, oder an Rosa Parks, die zur Angriffsflaeche der Rassisten wurde, als sie sich weigerte einer weissen Frau in der forderen Haelfte des Buses den Sitz zu ueberlassen. Oder an Emile Zola, der sich, indem er die ikonenhafte Streitschrift "J'accuse" veroeffentlichte, fast als einiziger kategorisch der antisemitisch motivierten Hetzkampagne gegen den Offizier Dreyfuss  entgegenstellte, obwohl er damit rechnen konnte, dass diese Aktion seiner Schriftsteller Karriere grossen Schaden zufuegen wuerde.

Dagegen sind die zaghaften Mitleidsbekundigungen eines George Clooney oder Herbert Groenemeyer der reinste Witz, Often spendes diese Prominenten gar nich mal selber, sondern rufen lediglich ihre Fans zur Unterstuetzung auf. Anstatt im Stillen und Geheimen zu helfen, woran man naemlich merken wuerde dass es sich dabei tatsaechlich um eine Herzensangelegenheit handelt, machen sie meistens im grossen Stil auf ihre dubiose Grosszuegigkeit aufmerksam. Daraueber hinaus ist ihre "Hilfe" auch noch karrierefoerdernd. Letzlich ist es ja nun wirklich kein Kunststueck ein "Star mit sozialem Gewissen" zu werden, wenn man dabei lediglich in die Fussstapfen hunderter Anderer tritt, die diesen Weg lange vor ihnen bestritten haben. Da waere es geradezu erfrischend, wenn ein Prominenter oeffentlich erklaeren wuerde, dass er wie fast alle seiner Kollegen stinkreich und gierig ist, aber im Gegensatz zu ihnen auch dazu steht und nicht sich nicht staendig als falscher Altruist ausgibt.

Keiner kann mir erzaehlen, dass Angelina Jolie oder Brad Pitt in Wirklichkeit keine kaltherzigen Karrieristen sind, warum sonst schwelgen sie sich im Luxus und streichen Gegen im dreistelligen Millionenbereich fuer die Teilnahme an Filmen ein, die einem absolute antiaufklaererischen Prinzip verpflichtet sind. Es geht darum das Publikum einzulullen,sie daran zu hindern, den Mechanismen ihrer Unterdrueckung durch die Medien und dem Kapital entgegen zu wirken.

Was darueberhinaus noch stoert, ist das die hilfsbeduerftigen Kinder in dem Aufnahmen mit Angelina oder Madonna grundsaetzlich, vor allem von Frauen, wegen ihrer grossen Augen als "niedlich" wahregenommen werden. Es werden hier, wenn man genau darueber nachdenkt, die niedersten Instinkte des Menschen bediennt. Den Leuten, die sich diese Kinder als Plakatmotive aussuchen, attestiere ich ein zutiefst zynisches Menschenbild, denn sie trauen es dem Orthonormalverbraucher offensichtlich nicht zu, dass er dazu faehig ist, Mitleid zu empfinden, wenn er davon erfaehrt, wie auf der anderen Seite des Planeten Menschen elendlich verrecken. Er muss offensichtlich an seinen Beschuetzerinstinkt erinnnert werden. Wenn es tatsaechlich so ist, dass dem Durchschnittsbuerger das Leid seiner Mitmschen egal ist, waere es doch ein grossartiges Unterfangen, zumindest zu versuchen, dieser Gleichgueltigkeit entgegezuwirken. Aber nein, diese "Gutmenschen" bedienen sich genau den gleichen manipulativen Methoden wie Auto- oder Zahnpastaverkauefer.

Nochmal: Wenn die Veranstaltung von Benifzkonzerten und SOS-Kinderdorfbesuchen tatsaechlich dazu beitraegt, dass Leid der Bewohner der dritten Welt zu verringern, was ich allerdings bezweifele, erklaere ich mich mit diesen Massnahmen einverstanden. Mein Zorn richtet sich vielmehr dagegen, wie absolut egoistische Handlungen, bei denen es um die eigene Selbstvermarktung geht, der falsche Deckmantel des Altruismus und der Selbstlosigkeit uebergestuelpt wird. Ausserdem tragen sie offensichtlich dazu bei von den finsteren Absichten vieler Prominenter abzulenken. Es lohnt sich, lieber Leser, doch mitunter der Blick hinter die aufegemoebelte Facade der Anstaendigkeit, es ist verblueffend, wie haeufig dort die haessliche Fratze der Selbsucht und der Niedertracht zum Vorschein kommt.

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