Adrian Nothnagle

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Location
Berlin,
Birthday
December 31
Bio
"Then you will know the truth, and the truth will set you free." -John 8:32

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Salon.com
DECEMBER 9, 2010 6:02AM

Filmkritik: "The Wrestler"

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In einer heruntergekommenen Umkleidekabine der Sporthalle einer High School sitzt eine einsame Gestalt, die auf den ersten Blick kaum als die eines Menschen auzumachen ist, so aufgedunsen ist sein geradezu tierisch anmutender Koerper, zu vernarbt und vom jahrelangen Alkoholkonsum gezeichnet ist sein Gesicht. Es ist Randy “The Ram” Robinson (Mickey Rourke). So beginnt “The Wrestler”.

Ja, Randy war tatsaechlich einmal wer. Ende der 80er Jahre hatte sein Bekanntheitsgrad seinen Zenit erreicht, doch dann wendete sich alles zum Schlechten, seine Ehe ging in die Brueche, um seine Tocheter kuemmerte er sich nie, er verfiel dem Alkohol un den Drogen. Nun catched er nur noch am Wochenende, an den restlichen Tagen jobbt er wie ein Teenager hinter dem Fleischthresen in einem Supermarkt. Als Randy nach einem besonders brutalen Wettkampf einen Herzinfarkt erleidet, versucht er sein Leben umzukraempeln und sich seiner entfremdeten Tochter (Evan Rachel Wood) und einer alternden Stripperin (Marisa Tomei) anzunaehern, doch letzendlich ist auch dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Zu schwer wiegt die Last der Vergangenheit auf Randys Schultern, um jetzt noch den Schalter umlegen zu koennen. Ihm bleibt, auf Gedeih und Verderb nur noch seine einzige Leidenschaft, der Ringkampf. Und das, obwohl Randy diese Taetigkeit seiner Gesundheit zu Liebe eigentlich an den Nagel gehaengt hatte.

Mit “The Wrestler” ist dem Regisseur Darren Aronofsky ein Paradestueck gelungen, eine Sternstunde der Filmgeschichte. Es ist das brutal ehrliche Psychogramm einer in jeder hinsicht gescheiterten Existenz. Mickey Rourke, der selber einst ein gefeierter Hollywoodstar war und desssen Karrier nach zahlreichen Sexskandalen und Drogenexzessen verebbte, spielt sich in diesem Film glatt die Seele aus dem Leib. Die Szenen, in denen er seine Tochter anfleht, ihm fuer seine Versaeumnisse zu verzeihen, gehen buchstaeblich unter die Haut. Der Zuschauer spuert, dieser Mann spricht aus Erfahrung, den gleichen Dialog muste er wohl auch im wirklichen Leben fuehren. Erzaehlt wird hier nichtzuletzt auch die tragische Geschichte des Mickey Rourke.

Es handelt sich bei “The Wrestler” keineswegs um eine dieser nervtoetenden “Erfolgsgeschichten”, mit denen das amerikanische Publikum zwangsernaehrt wird, waehrend die in den USA vorherrschenden Eliten laengst an den Freiheits- und Gleichheits orientierten Idealen der amerikanschen Verfassung Verrat geuebt haben. Viel eher ist es der “amerikanische Alptraum” der in “The Wrestler” geschildert wird. Statt den Straenden von L. A., der kuenstlichen Vorstadtiddylle oder den Nobelvierteln von Manhattan sieht man hier verlassene Strassenzuege mit zugebretterten Fenstern, bitterarme Wohnwagensiedlungen und baufaellige Fabrikhallen. Ich selber bin Zeuge dieser Kehrseite der “fuehrenden Industrienation der Welt” geworden, als ich vor einigen Jahren an einer Fuehrung durch die Elendsvierten der Stadt Buffalo, einer einst florierenden Ostkuestenmentropole, teilnahm.

Fazit: Der Film ist jedem zu empfehlen, der sich nicht zu fein dazu ist, den grausamen Realitaeten des Lebens ins Auge zu sehen. Man erhaelt ihr einen ebenso faszinierenden wie ernuechternden Einblick in die Subkultur des Wrestlings. “Der Wrestler”- ein Film von schonungsloser Harte, in seiner Eindringlichkeit kaum zu ertragen. Am Ende, gleichzeitig der Hoehepunkt des Films, wird wohl kaum ein Auge trocken bleiben.

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Danke für den Tip - ich habe viel Gutes über diesen Film gehört!

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